Artikel

Jens Issel - 02.09.2013

shutterstock_126979484

TV-Duell im Social Web: Nichts für unentschiedene Wähler

 

Das TV-Duell zwischen Merkel und Steinbrück wurde in den letzten Tagen ordentlich gepushed. 17,6 Millionen Zuschauer schalteten ein. Zwischenzeitlich wurden zum #TV-Duell 2.622 Tweets pro  Minute abgesetzt. Aber wie haben die Parteien und Spitzenkandidaten während des TV-Duells auf Twitter und Facebook kommuniziert?

Ein normaler Tag sieht für die Onlinestrategen und Community Manager der Parteien wohl anders aus. Am Tag des TV-Duells will jede Partei das Trending Topic #tvduell für sich nutzen – größere Reichweite und Steigerung der Aufmerksamkeit für die eigenen Themen und Positionen sind dabei vermutlich das Ziel.

Twitter

Die nackten Fakten

Eines vorweg: Die normalen Empfehlungen, von denen immer wieder geschrieben wird, wonach 2-3 Posts am Tag und 3-5 Tweets pro Tag, für Unternehmen und Organisationen ein guter Richtwert sind, sollten an diesem Tag keine Rolle spielen.

Die CDU veröffentlichte ganze 30 Facebookposts, während sich die SPD immerhin 26 Updates publizierte. Auch auf Twitter war Klotzen statt Kleckern angesagt. Über den Tag verteilt waren es 44 eigene Tweets bei der CDU, 65 bei der SPD. Zudem wurden von der CDU 20 Retweets veröffentlicht. Bei der SPD waren es 9.

Twitter SPD

 Aber schließlich ging es beim TV-Duell auch um die Kandidaten. Wie schnitten diese auf den beiden prominenten Social-Media-Kanälen ab? Auf Facebook kam Merkel auf 16 Posts, während Steinbrück auf neun kam. Auf Twitter kam der SPD-Kanidat allerdings auf 20 Tweets und 9 Retweets, während Angela Merkel hier nicht vertreten ist.

Die empfohlenen Richtwerte, für zu veröffentlichende Beiträge, spielten also nur insofern eine Rolle, als dass er um das bis zu 21-fache ausgereizt wurde.

Steigerung er Fan- und Followerzahlen

Interessant auch: Können die Parteien während eines solchen Events die Fanzahlen steigern? Und um wie viel?

Vergleichen wir die Fanzahlen vom Samstag vor dem Duell mit denen des folgenden Montags (jeweils 13.00 Uhr), so sehen wir, dass alle Werte angestiegen sind. Der große Gewinner scheint hier die SPD mit Peer Steinbrück zu sein:

Während die CDU lediglich 865 neuen Fans für ihre Seite gewinnen konnte, waren es bei der SPD immerhin 1.862 neue.

02.09

 

 

Interessant: Während die Onlineverantwortlichen in den Wahlkampfzentralen den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten auf die Parteiseiten legten, waren die größten Zuwäsche bei den Politikerseiten der beiden Kandidaten festzustellen. Merkel legte 6.658 Fans zu – Steinbrück sogar 8.618 Fans.

Insofern verwunderlich, dass bei höherer, anfänglicher Reichweite, der Schneeballeffekt zu erwarten war und somit Merkel höhere Aktivitäten und Reichweiten hätte erzielen müssen. Über die Gründe kann nur gemutmaßt werden. Es könnte sein, dass Merkel ihrer Anhänger bereits in großer breite als Fans für ihre Seite gewonnen hat, während “der Markt” für Steinbrück noch mehr hergibt.

Die Inhalte

Über die hohe Zahl an Veröffentlichung haben wir oben bereits gesprochen? Aber welche Inhalte steckten hinter einer so hohen Frequenz? War hier viel Erhellendes zu finden?

Um es vorweg zu nehmen: Nein. Häufige Wiederholungen der Botschaften, die die Kandidaten im TV platzierten, fanden sich in kurzer Form auf Facebook und Twitter wieder. Hinzu erschienen insbesondere von der SPD eine Vielzahl von Bildmotiven im Stream, die die aktuelle Regierung angehen.

FB CDU

Beide Parteien verweisen auf unterschiedliche Fakten, die die Aussagen des Gegenkandidaten wiederlegen sollen. Insgesamt lassen sich beide Parteien nicht auf den Dialog mit den Usern ein. Die Community wird selten direkt angesprochen. Viel mehr verfallen CDU und SPD in alte Muster der Push-Kommunikation, statt den Dialog zu suchen.

Die SPD ruft häufiger zur Teilnahme an verschiedenen Live-Online-Umfragen im Netz auf, was zumindest mit dem Aufruf zu eigener Aktivität der User gleichzusetzen ist.

Ebenfalls bemerkenswert: Hatten wir vor einigen Wochen noch festgestellt, dass CDU und Merkel den Gegenkandidaten fast nie namentlich erwähnen, blieb ihnen jetzt nicht viel anderes übrig, als auf den Kandidaten einzugehen.

Das Fazit

Am Ende erklärte sich (wie so häufig) jeder selbst zum Sieger. Auch die Umfrageinstitute taten nicht viel für ihre Glaubwürdigkeit. Im Social Web scheint die SPD allerdings stärker von dem Event TV-Duell profitiert zu haben. Höhere Fanzahlen und damit gesteigerte Reichweiten für die letzten drei Wochen in diesem Bundestagswahlkampf sind der Gewinn.

Nichts für Unentschiedene Wähler

Die Qualität der Inhalte war nichts für die, häufig erwähnten, unentschiedenen Wähler. Viel mehr zeigte sich, dass Inhalte rund um das TV-Duell für die eigenen Wähler bestimmt sind – kurze, knackige Botschaften, die sonst für das Deckblatt eines Wahlkampf-Flyers dienen.

Legitim, wenn das Ziel ist, die eigenen Wähler als Multiplikatoren zu nutzen, die die Botschaft in eigener Weise unter die Wähler bringen. Die unentschiedenen Wähler dürften die Parteien und Kandidaten im Social Web gestern allerdings kaum erreicht haben.

 

Bildquelle: white vs. black laptop, Shutterstock