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Jens Issel - 13.09.2013

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Partei- und Politikblogs – Es sieht düster aus

Nachdem bereits die Präsenz der Parteien auf Facebook, Twitter und Co. analysiert wurde, soll es dieses Mal um Politikblogs gehen. Zum einen um die politischen Blogs von CDU und SPD, zum anderen gibt es zahlreiche Blogs, die interessierte Privatleute oder Journalisten betreiben und in denen Beobachtungen und Gedanken über die Parteien veröffentlicht werden.

Parteiblogs: Zugegeben, auf Anhieb sind uns keine bekannten Blogs der beiden großen Parteien eingefallen. Aber mit ein bisschen Recherche stellen wir fest, dass es sie gibt.

Der Blog der CDU

Den Anfang macht der Blog der CDU Fraktion. Sein Name blogfraktion.de, suggeriert eine Nähe der CDU zu Sozialen Medien im Internet, die sie an anderer Stelle teilweise vermissen lässt. Allerdings ist der Blog gut und sichtbar verknüpft mit Accounts auf Facebook, Twitter, Google+ und Youtube. Zudem werden regelmäßig Beiträge veröffentlicht. Er wird daher durchaus als Kommunikationsmedium genutzt, wobei auch seine Reichweite vergrößert werden soll. Aber es wird auch hier, ähnlich wie auf Facebook, keine Stellung zu – oft kritischen – Kommentaren abgegeben. Die Rahmenbedingungen sind jedoch vorhanden.

13.09Interessant ist, dass es unter dem Menüpunkt Netzpolitik keine neuen Beiträge gibt. Der letzte stammt von Anfang Juni und informiert den Leser über die Reise von Abgeordneten nach Silicon Valley. Unmittelbar danach hat Edward Snowden Spionage-Enthüllungen über die NSA preisgegeben, seitdem herrscht auf dem Blog Funkstille an dieser Front. Und das bei einem hochbrisanten Thema, dass in der Netzgemeinde reichlich diskutiert wird.

Zwar hat es auch zuvor nur unregelmäßige Veröffentlichungen zum Thema Netzpolitik gegeben, bei einem solch aktuellen und empfindlichen Thema hätte die CDU aber Stellung beziehen können und müssen. Damit hätte sie im Kommunikationsmix auch Kritik an ihrem generellen Umgang mit dem Thema NSA-Affäre entgegentreten können.

Die Blogs der SPD

Im Gegensatz dazu betreibt die Bundestagsfraktion der SPD einen ganzen Blog, der sich nur dem Thema Netzpolitik widmet. Dort erfolgen regelmäßig Beiträge, beispielsweise zu PRISM, Tempora, aber auch zum Stand der Aufklärung des Spähskandals und weiteren Aspekten zum Thema. Im Zuge dessen wird harsche Kritik an der Regierung geübt, die sagt, eine Ausspähung in Deutschland hätte es nie gegeben.

SPD BlogDer zweite Blog, der Fraktionsblog, deckt allgemein das aktuelle Geschehen und Themen ab. Hier wird seltener und unregelmäßiger gebloggt als auf dem Blog zur Netzpolitik. Themen sind beispielsweise Sexismus und Pkw-Maut. Kommentare sind allerdings – wie bei der Netzpolitik – kaum zu verzeichnen. Auch in diesem Politblog setzt sich fort, was schon auf Facebook auffällt: Das Kommunikationsbedürfnis der Bürger scheint sich mehr an der Regierung zu orientieren.

Auch bei der SPD wird der Wahlkampf auf dem Blog kaum thematisiert – eine weitere Möglichkeit, an dieser Stelle potentielle Wähler zu erreichen, wird verschenkt. Insgesamt könnte auf diesem Blog mehr Dynamik herrschen. Zwar werden alle Blogs, auch der der CDU, auf die  Partei-Accounts in verschiedenen Netzwerken verlinkt, umgekehrt wird dort aber zu wenig auf die Blogs aufmerksam gemacht.

Eine Ausnahme bildet der Schwarzgelblog, der von der SPD betrieben wird und der zum mediengemixten Rundumschlag gegen die CDU ausholt. Unter dem Motto „Wir sehen jede Merkelei“ wird der Leser zum einen über das „Kabarett Merkel“ informiert bzw. darüber, was einzelne Parteimitglieder versprochen und nicht gehalten haben. Zum anderen finden sich Bilder und Videos der CDU, wie beispielsweise TV-Auftritte Merkels oder ein Wahlkampfspot. An diesen aktuellen Beispielen wird auf zynische Weise auf die Fehltritte der CDU aufmerksam gemacht.

Politikblogs – Stimmen der Bürger

Die bevorstehende Wahl sorgt für viel Resonanz auf den zahlreichen Blogs der Politikbeobachter aus dem Volk. Themen gibt es genug: Wahlplakate und TV-Duell sind nur zwei davon.

Der Journalist und Politikberater Michael Spreng beispielsweise stellt auf seinem Blog die Frage: „Wie tot ist das TV-Duell?“, und macht gleich deutlich, worin sich auch die Zeitungen einen Tag nach der Ausstrahlung einig sind: Für ein genaueres Bild der Kandidaten in der Öffentlichkeit ist das Duell keine Hilfe.

Sprengsatz

Der Blog der Neuen Osnabrücker Zeitung macht sich über die „Farbenlehre der CDU“ lustig und gibt auch einen Einblick in die „Phrasenkunde“ der Politiker. Ein anderer Blog attestiert den Plakaten der CDU „besondere Nullaussagekraft.“ Bei den Wahlprogrammen sieht es ähnlich aus. Der Journalist Andreas Heegt wirft den Politikern vor, darin nur falsche Versprechen abzugeben – und trifft damit die Meinung vieler.

Fazit: Ein Düsteres Bild

Insgesamt zeichnet sich in der deutschen Politikblog-Landschaft ein Negativtrend ab. Zwar haben die Blogs der Fraktionen Potential, dieses wird aber unzureichend ausgeschöpft. Vergleicht man diese Seiten mit denen professioneller Blogger, bleibt noch viel Luft nach oben.Statt Persönlichkeit wird hier oft ein technisches Verständnis von Politik und Themen vermittelt.

Die Parteien selbst haben Blogs bisher nicht als Kommunikationsmittel entdeckt.

Auf den Politikblogs der Bürger hagelt es Kritik in verschiedener Form, nach positiven Beiträgen muss man lange suchen. Es wird kaum ein gutes Haar an der deutschen Politiklandschaft gelassen.

Während Merkel also um die Wiederwahl kämpft und Steinbrück versucht, sich gegen die aktuelle Regierung durchzusetzen, scheint das Volk sich lieber – mal erbost, mal polemisierend – mit verunglückten Wahlplakaten, uneingelösten Versprechen, Merkels Halskette oder Steinbrücks Mittelfinger zu beschäftigen. Diese Tatsache drückt sich unmissverständlich auf den Blogs aus, erreicht wiederum aber die Politiker nicht – und wenn, dann handeln sie nicht entsprechend.

Die eine Seite findet bei der anderen kein Gehör.

 

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Bildquellen: A bullhorn with the text “blog” on the white background., style-photography.de, Shutterstock



  • http://www.danielflorian.de/ Daniel Florian

    Es gibt neben Michael Spreng auch noch ein paar andere Blogs, die jenseits des klassischen parteipolitischen Schlagabtauschs auch gute Analysen bieten: http://wahl.de/ hat zum Beispiel viele gute Gastautoren versammelt und http://post-von-horn.de/ veröffentlicht meinungsstarke Beiträge zur Bundes- und Landespolitik in NRW. Und zu guter letzt darf ich vielleicht auch auf meinen eigenen Blog http://danielflorian.de/ hinweisen – hier mag jeder selbst über die Qualität urteilen, aber ich habe im Wahlkampf einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen bei einzelnen Artikel gesehen!

  • Martin Fuchs

    Schließe mich gerne Daniel an. Es gibt schon einige, gerade fachpolitisch sehr relevante Blogs außerhalb der klassischen Parteienblogs z.B. auf Landesebene, von einzelnen MdB, MdL oder auch aus dem parteinahen Umfeld.

    Martin Giesler hatte Anfang des Jahres hier auch einmal angefangen deutsche “Politik-Blogs” zu sammeln: http://120sekunden.com/2013/02/wo-sind-eigentlich-die-deutschen-politblogger/

    Der Hamburger-Wahlbeobachter.de ;)