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Jens Issel - 22.08.2013

Politprojekt

Die Grünen vs. FDP – Wie machen sich die kleinen Parteien auf Facebook?

Viel dreht sich im Wahlkampf um Merkel vs. Steinbrück und CDU vs. SPD. Dabei bietet gerade der Onlinewahlkampf besonders große Chancen für die kleinen Parteien. Nachdem wir bereits den Onlinewahlkampf von CDU und SPD auf Facebook gegenübergestellt haben, werfen wir nun einen Blick auf die Aktivitäten der Grünen und  der FDP.

 

Hard-Facts:

 

Was uns gleich zu Beginn auffällt, “BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN” sind über die Facebooksuche nur schwer zu finden. Die Facebooksuche ist nicht gut. Die Namensgebung tut ihr Übriges.

Beim Blick auf die Fanzahlen zeigt sich jedoch, dass die Grünen mit 37.728 Fans* weit vor der FDP mit 21.478 Fans liegen. Hierbei spiegeln sich offenbar die Umfrageergebnisse der vergangenen Wochen wieder, bei denen die Grünen mehr als doppelt so viel Zustimmung erhalten wie die FDP.

Dies könnte am verhältnismäßig niedrigen Altersdurchschnitt der Fans von 48 Jahren liegen. Die FDP liegt hier bei 53 Jahren.

Die Mitgliederzahlen (FDP: 58.675, Die Grünen: 60.808) spiegeln hingegen kein derartiges Missverhältnis wieder.

Ergebnis: Grüne 1:0 FDP

 

Content

 

GrüneVeröffentlicht wurden bei den Grünen 36 Posts in 14 Tagen, was einen Schnitt von 2,57 Post pro Tag macht. Dabei beschäftigten sich die Grünen ganze 20 Mal mit dem politischen Mitbewerber. Eigene und neutrale Inhalte fanden 16 Mal statt. Ein Trend, der auch bei der SPD bereits zu erkennen war.

Bei den eigenen Inhalten werden konsequent die politischen Kernthemen  der Grünen gestärkt: Umwelt & Energie. Darüber hinausgehende Inhalte betreffen meist die schwarz-gelbe Regierung.

Weiterhin nutzen die Grünen die Hashtagfunktion auf Facebook, mit der sie unter anderem die Kamapgne #200Gründe forciert, bei der sie mit Kalendersprüchen auf vermeintliche Verfehlungen der aktuellen Regierung hinweist.Grüne Fb 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei den Grünen fällt auf, dass sie eine Vernetzung mit den Spitzenpolitikern forcieren, indem sie beispielsweise die Inhalte von Cem Özdemir teilen oder auf die Seiten von Renate Künast verlinken.

FDPDie FDP veröffentlichte im selben Zeitraum 31 Posts, womit 2,12 Posts pro Tag veröffentlich wurden. Davon beschäftigten sich lediglich drei Posts mit Rot-Grün, keiner mit der CDU und 28 mit eigenen Inhalten.

Die Inhalte der FDP, so macht es den Anschein, sind nicht extra social-media-gerecht aufbereitet wurde. Eher findet hier Mehrfachverwertung statt. Die Seite ist gefüttert mit Plakatmotiven.

Auffällig sind die Aktionswochen, diie die FDP die letzten sechs Wochen vor der Wahl eingeführt hat. Bisher wurden dabei die Themen Bürgerrechte und Bildung gespielt. Verknüpft wird dies mit Livechats der Spitzenpolitiker Brüderle und Leutheusser-Schnarrenberger.

FB FDP1

Beide Parteien lassen die personalisierte Kommunikation vermissen. Sowohl bei FDP, wie auch bei den Grünen unterhält sich der User mit “der Partei”. Wer hinter der Seite steckt erfahren wir nicht.

Auch von der SPD werden die Hashtags verwendet. Hier scheinen die beiden kleinen Parteien weiter zu sein als CDU und SPD.

Ergebnis: Grüne 2:0 FDP

 

Nutzerinteraktion und Dialog

 

Grüne Fb 2Die Grünen betreiben allerdings ein, unter den anderen drei großen Parteien nicht festgetelltes, Community Management und werden mit reichlich Interaktion zu ihren Posts belohnt. Zwar finden wir darunter viele Hinweise auf Kommentarlöschungen, jedoch auch vereinzelt inhaltliche Kommentare statt.

Grüne Fb 3Im Vergleich mit den Grünen sind die Interaktionsraten bei der FDP fast durchgehend rar gesäht. Insbesondere was die Teilen-Funktion angeht ist dies bei den Grünen ausgeprägter.

Zudem findet hier, ähnlich wie bei CDU und SPD, kein aktives Community-Management statt. Die FDP nutzt Facebook als Push-Kanal und überlässt den Dialog alleine den Usern.

Klassische Mittel für mehr Interaktion sind Call-to-action & Storytelling. Beim Call-to-action finden wir auf beiden Seiten vereinzelte Ansätze, indem die Meinung der User angefragt wird. Allerdings wird darauf meist verzichtet. Meinung machen, statt Meinung zulassen scheint die Devise. Ähnlich sieht es beim Storytelling aus. Die Mühe die Bürger in ihrer Lebensrealtität abzuholen und Bilder hervorzurufen, um nah an die User heranzukommen machen sich die Parteien nicht. Zu hart sind die Parteien dabei Themen zu kommunizieren.

Als einzige der vier analysierten Parteien lassen die Grünen zudem die eigenen Beiträge der Nutzer auf ihrer Seite zu. Das Asussage ist deutlich: Wir sind für euch erreichbar. Führt mit uns den Dialog. Dafür müssten sie allerdings noch aktiver in die Kommunikation mit den User gehen.

Ergebnis: Grüne 3:0 FDP

 

Fazit

Nach unserem Eindruck bewegen sich CDU und FDP auf ähnlichem Niveau, während die SPD leicht vorauseilt. Gewinner unseres Parteien-Facebook-Checks sind die Grünen. Hier scheint sich in groben Zügen eine Annäherung an das Medium Social Media zu vollziehen. Dem äußeren Eindruck nach werden hier auch die meisten personellen Ressourcen bei den Parteien eingesetzt.

Politprojekt

Im Gegensatz zur FDP. Hier liegt offenbar ein Abklatsch des Offlinewahlkampfs vor. Livechats mit Spitzenpolitikern gehören mittlerweile zum Standard. Als kelinste Partei von den vier analysierten nutzt die FDP das Potantial nicht.

Verbesserungsmöglichkeiten bestehen am ehesten bei der aktiven Diskussion mit den Usern. Über Inhalte lässt sich bekanntlich streiten. Allerdings hätten wir uns auf allen vier Facebookseiten weniger Wahlkampfgetöse, dafür mehr Dialog und Auseinandersetzung mit den User gewünscht. Thematisches Crowdsourcing findet auf den Seiten nicht statt. Der Dialog mit den Bürgern und der effektive Nutzen daraus wird bisher nicht gezogen.

* Stand 14.08.2013

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Bildquelle: 3d render of a podium consisting three cylinders with different, Shutterstock, EsbenOxholm

 



  • Tom Mayers

    Leider nicht untersucht wurde die Möglichkeit mit den Parteien per persönlicher Nachricht in den Kontakt zu treten.

    Es wurde zwar auch angesprochen, dass die Grünen löschen, aber in wie weiter die Grünen in den Kommentaren auch kritische Meinungen zu lassen, wurde auch nicht untersucht.

    Ich verstehe auch nicht, warum es schlecht ist, über eigene Inhalte zu sprechen und gut ist, negative Campaigning zu machen. Auch sagt die Anzahl der Posting kaum was aus. Heißt das im Umkehrschluss, dass sich facebook nur für Lustiges nicht aber für ernsthafte Politik eignet?

    Ebenso frage ich mich, wie der Untersuchende darauf kommt, dass die FDP nur Plakatmotive postet. Diese Motive gibt es nur im Netz! Merkt man auch daran, dass sie das typische Facebook-Format haben.

    Nix für ungut. Aber Lehren für meine eigene Verbandsseite kann ich aus dem Artikel kaum ziehen!!! Zumal ich mich frage, was der Untersuchende denkt, wie viele Personen man wirklich braucht, um einen richtigen Dialog in den Kommentaren zu führen? Das können 1-2 Personen nicht bewältigen. Und mehr Resources haben auch die kleinen Bundesparteien nicht!